Die University of Virginia (Universität von Virginia) – kurz UVa oder U.Va. (englisch ausgesprochen als U-V-A: juːviːˈeiː) – ist eine der renommiertesten staatlichen Universitäten der Vereinigten Staaten von Amerika und liegt in Charlottesville im Bundesstaat Virginia. Sie wurde 1819 auf Betreiben von Thomas Jefferson, dem dritten Präsidenten der USA, gegründet. Die zentralen Gebäude der Universität – das sogenannte „akademische Dorf“ – wurden von Thomas Jefferson unter Mitwirkung von Benjamin Latrobe im Stil des Klassizismus entworfen und stehen auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO.
Aufgrund ihrer hohen akademischen Qualität zählt die University of Virginia zu den Public-Ivy-Universitäten. Sie ist außerdem Mitglied der Association of American Universities, eines seit 1900 bestehenden Verbundes der führenden nordamerikanischen Forschungsuniversitäten.
Die Universität bietet zahlreiche Bachelor-, Master- und Ph.D.-Studiengänge, vor allem in den Geistes-, Natur- und Ingenieurswissenschaften, an. Sie hat knapp 20.000 Studenten, von denen über 13.000 einen Bachelor und über 6.000 einen Master und/oder Ph.D. anstreben, sowie über 2.000 Professoren und Dozenten (Stand März 2007).[1] Universitätspräsident ist seit August 1990 der Anglist John T. Casteen III.[2]
Inhaltsverzeichnis
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Bearbeiten Geschichte
Bearbeiten Allgemeine Geschichte
Bearbeiten 1800–1826: Vorbereitungen und Gründung
Mindestens seit dem Jahr 1800 hegte der aus Virginia stammende Thomas Jefferson, damals Vizepräsident der USA, den Plan, in Virginia neben dem College of William and Mary eine zweite Universität zu gründen. Am College of William and Mary, das er selbst besucht hatte, kritisierte er vor allem die starke religiöse Prägung der Hochschule und das Fehlen von naturwissenschaftlichen Fächern. Außerdem besuchten viele Studenten aus Virginia Universitäten im Norden der USA, was Jefferson ablehnte, weil sie dort nördliche Wertvorstellungen lernten, die sie gegen die vermeintlich überlegene, landwirtschaftlich geprägte Lebensweise der Südstaaten – einschließlich der Sklaverei – aufbrächten.[3]
Nach dem Ende seiner Amtszeit als Präsident der USA im Jahr 1809 zog sich Jefferson auf seinen Wohnsitz Monticello bei Charlottesville zurück und trieb in den folgenden Jahren seinen Plan für eine Universität voran. Ab 1814 nutzte er dafür die Albemarle Academy, eine 1804 gegründete, aber bisher nur auf dem Papier bestehende Akademie, die Jefferson 1816 von der Virginia General Assembly (d. h. Delegiertenhaus und Senat) zum Central College aufwerten ließ – also einer Hochschule, die Bachelorabschlüsse vergibt. 1814 wurde Jefferson zum Trustee des College gewählt. Das Gelände, auf dem die Hochschule gegründet werden sollte, wurde 1817 James Monroe, dem vierten Präsidenten der USA, abgekauft. Es lag damals außerhalb des Stadtgebiets von Charlottesville. Schon am 31. August des Jahres wurde der Grundstein für das erste Gebäude der Hochschule gelegt, in Anwesenheit des eigens angereisten residierenden US-Präsidenten Monroe und – mit Jefferson und James Madison – zweier von insgesamt erst vier ehemaligen US-Präsidenten; Washington war bereits verstorben, damit war der in Massachusetts wohnende John Adams der einzige lebende Expräsident des Landes, der der Feierlichkeit nicht beiwohnte.
Sogleich nach der Grundsteinlegung arbeiteten Jefferson und seine Unterstützer darauf hin, den Status des college in den einer university – einer Hochschule, die Abschlüsse über den Bachelor hinaus vergeben kann – zu ändern. Auf Betreiben Jeffersons und des ihn unterstützenden Politikers Joseph C. Cabell beschloss das Parlament von Virginia, eine weitere staatliche Universität einzurichten. Mehrere Orte bewarben sich darum (vor allem Staunton und Lexington), zumal in Aussicht stand, dass die Hauptstadt von Virginia aus Richmond fortverlegt würde; der Standort der staatlichen Universität hätte dann große Chancen, zur neuen Hauptstadt Virginias zu werden. Jefferson und Cabell gelang es letztlich, sich mit ihren Universitätsplänen gegen die Mitbewerber durchzusetzen: Am 19. Januar verabschiedete das Delegiertenhaus von Virginia ein Gesetz (University Act), das das Central College zur staatlichen University of Virginia erhob, und am 25. Januar 1819 stimmte auch der Senat von Virginia entsprechend ab.[4] Das Datum gilt als das formelle Gründungsdatum der Universität.
Jefferson selbst entwarf – unter Anregungen vor allem von Benjamin Latrobe – die Pläne für die Universitätsgebäude (siehe Campus der Universität) und suchte sowohl in Nordamerika als auch in Europa nach Professoren für die Fächer Philosophie, Kunst (arts), Fremdsprachen, Naturwissenschaft, Rechtswissenschaft und Medizin.[5] Innerhalb ihres fachlichen Schwerpunkts hatten die Professoren auch Spezialisierungen auf von Jefferson ausgesuchte, weniger traditionelle Studienfächer zu unterrichten, so dass die University of Virginia die erste Universität der USA wurde, die das Studium von Bereichen wie Astronomie, Architektur, Botanik, Philosophie und Politikwissenschaft anbot. Theologie dagegen stand – und steht bis heute – nicht auf dem Lehrplan, ganz im Gegensatz zu anderen zeitgenössischen Hochschulen, die fast alle stark religiös geprägt waren und zum Teil die Funktion eines Priesterseminars hatten. Die Kapelle der Universität wurde erst 1885–1890 und entgegen den Plänen Jeffersons gebaut.
Bearbeiten 1826–1850: Unterrichtsaufnahme und Probleme der ersten Jahre
Aufgrund von Verzögerungen bei den Bauarbeiten und den transatlantischen Reisen dauerte es noch bis zum 7. März 1825, bevor der Universitätsbetrieb für die ersten 123 Studenten[5] und acht junge Dozenten[6] aufgenommen werden konnte. Sieben der Professoren waren im Ausland geboren und fünf von ihnen – vier Briten und ein Sachse – zogen erst für ihre neue Stelle in die USA.[7] Erst nach und nach beschäftigte die Universität mehr US-amerikanische Professoren. (Zum Vergleich: An der damals fast 200 Jahre alten Harvard-Universität unterrichteten 1821 ca. 20 Professoren.)[8]
Wie in den USA des 19. Jahrhunderts üblich, bot die University of Virginia zunächst vor allem Master-Studiengänge an. Der erste Universitätsabschluss in Medizin (M.D.) wurde 1828 vergeben, der erste Master of Arts 1831 und der erste Abschluss in Rechtswissenschaften 1842.[6] Im Laufe der nächsten Jahre stiegen die Zahlen der Studenten und Professoren und Dozenten an, und das Fächerangebot wuchs insbesondere um die Ingenieurswissenschaften (1836).
In den ersten Jahren gab es immer wieder Zwischenfälle und Unruhen der Studenten. Viele Studenten waren Söhne von Plantagenbesitzern und gewohnt, eigene Waffen zu besitzen und von Sklaven bedient zu werden; sie ordneten sich nicht unter und wiegelten auch die übrigen Studenten auf. Sie missbrauchten die ihnen nach Jeffersons Plänen gewährten Freiheiten, es kam zu Konflikten mit den Professoren, vor allem einigen der Europäer. Bereits im ersten Jahr wollten zwei Professoren kündigen, nachdem sie von maskierten Studenten terrorisiert worden waren. Die Beziehungen zwischen Studenten und Professoren besserten sich etwas, aber auch in den nächsten Jahren flackerten immer wieder Unruhen auf. Auch untereinander trugen die Studenten Streitigkeiten aus, sie fochten sogar Duelle.[9] Ihren Höhepunkt fand die Entwicklung, als am 12. November 1840 ein maskierter Student und Unruhestifter den Juraprofessor und Vorsitzenden der Professoren erschoss, nachdem der aus seinem Pavillon getreten war und ihm die Maske vom Gesicht streifen wollte. Der Schock über den Todesfall brachte die Studenten zur Besinnung und änderte schließlich die Beziehung zu den Professoren (siehe auch Ehrenkodex der Universität).[10]
Bearbeiten 1850–1900: Amerikanischer Bürgerkrieg und Brand der Rotunda
Zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs war die University of Virginia nach Harvard die zweitgrößte Universität der USA.[6] Während des Krieges wurde der Staat Virginia – als Grenzstaat, als Heimatstaat der Südstaaten-Hauptstadt (Richmond) und aufgrund seiner Lage in unmittelbarer Nähe der Nordstaaten-Hauptstadt (Washington) – Schauplatz von mehr Schlachten als jeder andere Staat der USA. Obwohl einige Schlachten weniger als 100 km von Charlottesville entfernt stattfanden, wurde der Universitätsbetrieb, anders als an vielen anderen Hochschulen der Südstaaten, nicht unterbrochen. Nach der ersten Schlacht von Manassas (1861) und im Fortgang des Kriegs dienten der zentrale Universitätsbau der Rotunda und andere Universitätsgebäude als Militärhospital.[11] Im März 1865 marschierte die Nordstaaten-Armee unter Brigadegeneral George A. Custer, bekannt vor allem für seine spätere Niederlage am Little Bighorn gegen die Indianer, in Charlottesville ein. Vertreter der Stadt und der Universität kamen mit Custer am Rande des Hochschulgeländes zusammen und überzeugten ihn davon, die Universität zu schonen. Die Truppen der Nordstaaten schlugen ihr Lager im Zentrum der Universität (Lawn) auf und verwüsteten einige der umliegenden Gebäude (Pavillons), aber es kam zu keinem Blutvergießen.[12]
Ab 1868 vergab die Universität auch Bachelor-Abschlüsse, doch erst 1899 wurde der Bachelor das primär angebotene Studienziel.[6]
Am 27. Oktober 1895 kam es zu einem Brand im zentralen Gebäude und Wahrzeichen der Universität, der Rotunda. Das Feuer war im Anbau des Baus entstanden. Der Mathematikprofessor William H. „Reddy“ Echols, nach dem 1960 ein prestigeträchtiges Förderungsprogramm für begabte Studenten (honor student program) benannt wurde, versuchte, den Brand mit einer Explosion von ca. 45 kg Dynamit einzudämmen, das er vom Dach der Rotunda auf die in Flammen stehende Verbindung zwischen Rotunda und Anbau warf. Stattdessen löste er damit den Einsturz der Gebäudekuppel der Rotunda aus. Nur 17.194 Bücher des über 56.000 Titel umfassenden Bestandes konnten gerettet werden.[13] Mithilfe von Dynamit und Wasser gelang es immerhin, ein Übergreifen des Feuers auf die nächstliegenden Pavillons zu verhindern.[14] Die Rotunda wurde unter Leitung des New Yorker Architekten Stanford White in veränderter Form wiederaufgebaut.[15]
Bearbeiten 1900–1970: Weiteres Wachstum
Jeffersons ursprüngliche Pläne hatten vorgesehen, dass nicht ein einzelner Präsident die Universität leiten solle, sondern ein mehrköpfiger Rat (Board of Visitors). Die ständig wachsende Universität (u. a. 1902 Fachbereich für Wirtschaft, sog. McIntire School of Commerce,[16] 1906 School of Education) brachte den Rat zur Ansicht, dass für die Zukunft ein Präsident notwendig würde. Nachdem der Virginia-Absolvent und spätere US-Präsident Woodrow Wilson das ihm angetragene Stellenangebot abgelehnt hatte, wurde im Jahr 1905 Edwin Anderson Alderman, ein fortschrittlicher Pädagoge und USA-weit bekannter Redner, der erste Präsident der Universität.[17] Er setzte bis zu seinem Tod 1931 eine Reihe von Reformen für die Universität und den Bundesstaat Virginia durch, unter anderem führte er an der Universität eines der ersten Programme zur finanziellen Unterstützung von Studenten in den USA ein.
Die Universität wuchs weiterhin und erreichte im Jahr 1929 eine Größe von 290 Dozenten (1904: 48) und 2450 Studenten (1904: 290).[17] Während des Ersten Weltkriegs richtete die Universität militärische Kurse ein. Acht von zehn Studenten traten außerdem dem neugegründeten Trainingscorps für Reserveoffiziere (Reserve Officers' Trainings Corps) bei.[16]
1940 kam Franklin D. Roosevelt, der 32. US-Präsident, an die University of Virginia, um bei der Abschlussfeier seines Sohnes, Franklin D. Roosevelt Junior, (Jura) anwesend zu sein. Anstelle seiner geplanten Ansprache für die Universitätsabsolventen hielt er am 10. Juni 1940 spontan seine historische Stab-in-the-Back-Rede (engl. für: Dolchstoß in den Rücken), in der er den Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg verurteilte.[18] Vier Jahre später führte der Kriegseintritt der USA zu einem drastischen Rückgang der Studentenzahlen auf 1322 (1939: 3000).[16]
Die Zahlen erholten sich nach Kriegsende rasch wieder, vor allem aufgrund des GI Bills, der allen Kriegsveteranen ein Hochschulstudium erlaubte. Die 50er Jahre brachten eine Verdopplung der Studentenzahlen und eine Verdreifachung der Professoren- und Dozentenzahlen (im Vergleich zu Vorkriegszahlen) sowie die Gründung mehrerer neuer Fachbereiche und die Auslagerung und Erweiterung bestehender Fächer in autonome Institute (schools: 1951 School of Architecture, 1954 Graduate business school (ab 1974: Darden School of Graduate Business Administration), 1956 School of Nursing).[16]
1954 beteiligte sich die University of Virginia mit zunächst 5.000 US-Dollar an den Kosten für den Aufbau des Clinch Valley College of the University of Virginia (ab 1999: University of Virginia’s College at Wise) in Wise (Nähe Norton) im Wise County im Südwesten von Virginia. Das College bot anfangs nur zweijährige Studiengänge an, 1970 vergab es die ersten Bachelor-Abschlüsse nach der in den USA üblichen Studiendauer von vier Jahren.[19] Heute ist das University of Virginia’s College at Wise das einzige Zweig-College der University of Virginia und genießt einen für ein staatliches Liberal-Arts-College sehr guten Ruf, kann aber – wie die anderen staatlichen Liberal-Arts-Colleges der USA – den Vergleich mit den besten privaten nicht aufnehmen.[20]
Bearbeiten seit 1970: Studentenproteste 1970 und Pflege des architektonischen Erbes
Im Mai 1970 fanden in den USA landesweit Studentenproteste gegen den Vietnamkrieg und gegen den Tod von vier Studenten statt, die an der Kent State University bei Antikriegsdemonstrationen von der Polizei erschossen worden waren (Kent-State-Massaker). Auch an der University of Virginia kam es zu Studentendemonstrationen und Konfrontationen mit der Universitätsleitung. Der derzeitige Präsident der University of Virginia, Edgar F. Shannon junior, suchte den Dialog mit Studentenführern und aufgebrachten Demonstranten. Er überzeugte die Professoren, Abwesenheit und verspätet eingereichte Arbeiten zu entschuldigen, damit sich die Studenten „auf konstruktive Aktionen in der Richtungsänderung der Kriegspolitik des Landes konzentrieren“ könnten (concentrate on constructive action in the re-direction of the nation’s war policy).[21] Die Haltung des Präsidenten erntete Kritik von der US-amerikanischen Regierung und vielen ehemaligen Studenten, aber Anerkennung von Studenten und Professoren. Shannon verteidigte seine Haltung durch den Hinweis, dass die Studentenunruhen an mehreren Hundert der großen US-Universitäten zu drastischen Folgen geführt hätten, woraufhin die meisten ihren Universitätsbetrieb aussetzen oder die Universität vorübergehend schließen (z. B. Princeton von Anfang Mai bis zum nahen Semesterende) mussten. An der University of Virginia seien hingegen keine Veranstaltungen ausgesetzt oder abgesagt worden; nach Aussagen von Shannon blieben die Teilnehmerzahlen an Universitätsveranstaltungen in vielen Fachbereichen und Instituten fast unverändert und kehrten in den übrigen Instituten bis zum 13. Mai auf ein weitgehend normales Niveau zurück.[22]
1973–1976 wurden die nach dem Brand der Rotunda vorgenommenen Änderungen in weiten Teilen rückgängig gemacht, so dass der Bau heute dem Ursprungszustand wieder näherkommt. 1987 nahm die UNESCO die von Jefferson entworfenen Gebäude der Universität, einschließlich der Rotunda, gemeinsam mit Jeffersons nahegelegenem Wohnsitz Monticello als 442. Objekt in ihre Liste des Weltkultur- und Weltnaturerbes der Menschheit auf. Die Auswahl traf sie gemäß den Kriterien für Weltkulturgüter I, IV und VI.[23] Die University of Virginia wurde damit weltweit die erste Universität auf der UNESCO-Liste; seither wurden noch zwei weitere Universitäten ausdrücklich (Alcalá de Henares, 1998; Universitätsstadt von Caracas, 2000) und die Universität von Salamanca 1988 als Teil der Altstadt als Welterbe ausgezeichnet.
Bearbeiten Ethnische Minderheiten und Frauen
Bearbeiten Bis 1950: Keine reguläre Zulassung bis zum Bachelor
Die University of Virginia stand ursprünglich nur männlichen, weißen Studenten offen. Zu Zeiten der Sklaverei gab es auf dem Hochschulgelände, wie an Hochschulen der Südstaaten üblich, schwarze Sklaven, deren genaue Unterbringung heute allerdings nur noch schwer zu rekonstruieren ist. Auf dem Gelände der Universität lebten auch Frauen, unter anderem die Ehefrauen der Professoren. Spekuliert worden ist, ob es in den frühen Jahren in einem 1840 errichteten Gebäude (Crackerbox) ein kleines Bordell an der Universität gab.[13]
Seit 1890 besuchten Schwarze und weibliche Studenten Sommerangebote der Universität, blieben vom regulären Unterricht während der Semester jedoch weiterhin ausgeschlossen. Eine Studentin bestand 1893 zwar eine Prüfung und erwarb ein Zertifikat in Mathematik, doch diese Praxis wurde vom Rat der Universität (Board of Visitors) daraufhin explizit untersagt. Erst nach Protesten im frühen 20. Jahrhundert ließ die Universität ab 1920 Studentinnen für Studien jenseits des Bachelors (graduate studies) zu.[21]
Studenten ethnischer Minderheiten waren noch bis zur Mitte des 20. Jahrhundert vom Universitätsbetrieb ausgeschlossen (Rassentrennung). Wie an Universitäten der Südstaaten üblich, lehnten es die Sportmannschaften der University of Virginia sogar ab, gegen schwarze Spieler anderer (Nordstaaten-)Universitäten anzutreten.[24] Als in den 1940er Jahren einige Nordstaatenuniversitäten danach strebten, bei Spielen gegen Südstaatenuniversitäten auch schwarze Spieler einzusetzen, brachte die American-Football-Mannschaft von Harvard 1947 nach Vorankündigung ihren schwarzen Teamkollegen Chester Pierce (später ein bekannter Psychiatrie-Professor und Namensgeber des antarktischen Pierce Peak) zu einem Spiel an die University of Virginia – ihrem ersten Spiel in den Südstaaten überhaupt. Das Spiel wurde das erste, bei dem ein Schwarzer in den Südstaaten auf dem Feld einer „weißen“ Universität antrat. Trotz rassistischer Zwischenfälle bei der Unterbringung der Mannschaft verlief das Spiel selbst – abgesehen von einem überragenden 47:0-Sieg für Virginia – ohne besondere Vorkommnisse.[24]
Bearbeiten Seit 1950: Schrittweise Öffnung der Universität
Noch bis in die 50er Jahre ließ die University of Virginia nur Weiße als reguläre Studenten zu. Erste Ausnahmen waren ein schwarzer Jurastudent, der im Jahr 1950 die Zulassung erkämpfte, und ein schwarzer vorheriger Universitätsdozent, der von 1951 bis 1953 in Pädagogik promovierte.[21] Im akademischen Jahr 1966/67 führte Universitätspräsident Edgar F. Shannon junior für Stellenbewerber die Regelung ein, dass bei ungefähr gleich qualifizierten Bewerbern unterschiedlicher Ethnien schwarze Bewerber vorzuziehen seien, und 1967 wurde der erste schwarze Professor eingestellt. 1968 und 1969 wurden schwarze Studenten zum student council, einer Studentenvertretung an der Universität, und sogar zu dessen Präsident gewählt. Schließlich änderten sich durch wachsenden Einsatz der Universität, schwarze Studenten zu gewinnen, auch die Zahlen: 1969 gab es 102, ein Jahr später bereits 236 eingeschriebene schwarze Studenten (knapp 2,2% der Studentenschaft).[25]
Von 1944 bis 1972 war das Mary Washington College (seit 2004: University of Mary Washington) in Fredericksburg (Virginia), das 1908 als Frauencollege gegründet worden war, mit der University of Virginia verbunden. In den 1960er Jahren nahmen in der Universitätsleitung und unter Dozenten und Studenten die Diskussionen darüber zu, ob auch die University of Virginia Frauen aufnehmen solle.[26] Die Entwicklung wurde schließlich durch Gerichtsprozesse beschleunigt: 1969 erstritt sich eine Studentin über eine gerichtliche Verfügung die Zulassung.[27] Unter dem Druck eines drohenden Urteils des Bundesgerichts wurden an der University of Virginia 1970 offiziell die ersten 450 weiblichen Bachelor-Studenten (undergraduate students) zugelassen, 550 folgten im nächsten Jahr. 1972 öffnete sich die University of Virginia vollständig für weibliche Studenten; 45% der Studienanfänger in diesem Jahr waren weiblich.[27]
In den folgenden Jahren wurden Studenten ethnischer Minderheiten und weibliche Studenten schnell zur Normalität an der Universität; beispielsweise wurde schon 1972/1973 eine schwarze Studentin Präsidentin der School of Law.[28] Heute bietet die University of Virginia schwarzen Studenten laut dem Journal of Blacks in Higher Education gute Studienbedingungen: In einer 2005 veröffentlichten Untersuchung hatte die Universität mit 14% die niedrigste Studienabbruchsquote von schwarzen Studenten unter allen Public-Ivy-Universitäten, die bereits allgemein deutlich unter dem nationalen Durchschnitt von 60% lagen. Diese Quote unterschied sich nur relativ wenig von den entsprechenden Zahlen für weiße Studenten (9%), womit die University of Virginia gemeinsam mit zwei anderen Universitäten unter den Public Ivys ebenfalls führend war. Der Anteil schwarzer Studenten an der Gesamtstudentenzahl lag mit 8,5% an zweithöchster Stelle der Public Ivys (zahlengleich mit einer anderen Universität).[29]
An der Universität studieren heute außerdem ungefähr 11% asiatisch-stämmige US-Amerikaner (Asian-Americans),[30] insgesamt gehören 23% der Studenten ethnischen Minderheiten an (Stand 2006/07).[31] Der Anteil von Frauen liegt in den Studiengängen, die zum Bachelor führen, bei 55%.[30]
Probleme bestehen aber weiterhin hinsichtlich der Anzahl von Dozenten und Professoren, die einer ethnischen Minderheit angehören und/oder weiblich sind.[30] Außerdem gab es trotz eines generell positiven Klimas in den letzten Jahren wiederholt rassistische Vorfälle unter Studenten. So kostümierten sich Studenten 2002 für eine Halloween-Party als Blackface; 2003 wurde die schwarz-asiatische Studentin Daisy Lundy, die als Präsident der Studentenvertretung kandidierte, vermutlich mit rassistischem Hintergrund angegriffen;[32] und 2004 wurde der Wagen einer schwarzen Studentin mit einem schwer entfernbaren Material rassistisch beschmiert.[33]
Bearbeiten Campus
Der University of Virginia gehören ca. 13,5 km² (3340 Acres) Land mit über 500 Gebäuden.[34] Der Großteil davon liegt in Charlottesville und bildet den Campus der Universität, der dort üblicherweise grounds oder The Grounds genannt wird. Er besteht aus zwei zusammenhängenden Teilen. Im dichter bebauten, südlichen Teil (South Grounds) liegt das Herz der Universität, das sogenannte akademische Dorf mit den ältesten Gebäuden des Campus. Im Laufe der Jahre ist die Universität weit darüber hinausgewachsen: In den 1970er Jahren wurde zusätzlich ca. zwei Kilometer weiter nördlich ein zweiter Schwerpunkt des Campus (North Grounds) ausgebaut.
Bearbeiten Das akademische Dorf
Die zentralen Gebäude des Campus wurden in dem nach Thomas Jefferson benannten Jeffersonian style (engl.: Jefferson-Stil) errichtet, einer Ausformung des Palladianismus, der seinerseits dem Klassizismus zugerechnet wird. Auf Jefferson selbst geht auch die Bezeichnung für diese ältesten Teile der Universität als akademisches Dorf (academical village) zurück.[35] Zusammen mit seinem ebenfalls von ihm entworfenen Landsitz Monticello nahe Charlottesville wurde das akademische Dorf 1987 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die Gebäude zeichnen sich farblich durch die Verbindung von rotem Backstein und weißen Elementen (zum Beispiel Giebel, Säulen, Tür- und Fensterrahmen) aus, allerdings ergänzten Jeffersons ursprüngliche Entwürfe die Farbgebung um Kupfer und Sandsteintöne.[36]
In Teilen der Literatur und ganz überwiegend in der Populärkultur wird das akademische Dorf der University of Virginia als alleiniges architektonisches Meisterwerk von Jefferson dargestellt. Diese Sicht ist jedoch zu undifferenziert, insbesondere mit Hinblick auf den damals in den USA führenden und zudem mit Entwürfen für Universitäten vertrauten Architekten Benjamin Latrobe. Die Bedeutung, die seine Mitwirkung für die Architektur des akademischen Dorfes gespielt hat, lässt sich heute nur noch teilweise beurteilen. Erhalten sind in diesem Zusammenhang allerdings mehrere Briefe zwischen Jefferson und Latrobe, einige Notizen auf Jeffersons Entwürfen und einzelne Zeichnungen von Gebäuden des akademischen Dorfes, die nach heutiger Sicht möglicherweise Latrobe zuzuschreiben sind. Sie deuten darauf hin, dass auf Latrobe nicht nur die Idee des zentralen Rundbaus (Rotunda), sondern auch Entwürfe für weitere Bauten (Pavillons) zurückgehen. Einem weiteren Gebäude liegt ein Entwurf William Thorntons zugrunde. Unbestritten bleibt Jeffersons architektonische Gesamtleistung, namentlich bei der Gesamtanlage, aber auch bei der weiteren Arbeit und Feinausführung der möglicherweise von anderen Architekten angeregten Entwürfe sowie bei der Innenarchitektur der Rotunda.[37]
Bearbeiten Überblick über die Gesamtanlage
Bearbeiten Beschreibung der Anlage
Das akademische Dorf ist hufeisenförmig um den sogenannten Lawn (engl.: Rasen) angelegt, eine 740 Fuß (225,6 m) lange und 192 Fuß (58,5 m) breite Rasenfläche, die von Norden nach Süden in drei breiten Terrassen abfällt. Jefferson hatte ursprünglich eine quadratische Anlage geplant, an deren drei bebauten Seiten jeweils drei größere Bauten stehen sollten. Aufgrund der schmaleren Form der Hügelkuppe, die schließlich als Baugelände der Universität gekauft wurde, musste Jefferson die Pläne jedoch zu einer rechteckigen Form ändern, an deren nördlichem Kopfende nur ein einziges zentrales Gebäude Platz findet.[38] Die übrigen Bauten liegen in vier Reihen parallel zum Lawn.
Am Kopfende des Lawn steht die Rotunda, ein Rundbau nach dem Vorbild des römischen Pantheons, in dem ursprünglich die Universitätsbibliothek untergebracht war. Die Universitätskonzeption Jeffersons unterscheidet sich damit bewusst von der typischen Universitätsanlage seiner Zeit, in der der Mittelpunkt des Campus eine Kirche war; die Räume im Erdgeschoss dienten allerdings allen Versammlungen, die zu groß für andere Räumlichkeiten waren, und damit nach Jeffersons eigener Beschreibung auch „religiöser Anbetung“ (religious worship).[39]
An den Langseiten des Lawn stehen jeweils fünf größere Gebäuden, die sogenannten Pavillons, die fast ausnahmslos als Häuser für Professoren dienen. Die Pavillons sind mit Kolonnaden verbunden, hinter denen sich ebenerdig Studentenzimmer reihen, deren Zimmertüren direkt auf den Lawn hinausgehen. Entlang den Kolonnaden stehen in zwei losen Reihen große Bäume, deren Anpflanzung ebenfalls bereits auf Pläne Jeffersons zurückgeht.[40]
Hinter den Pavillons liegen auf der Lawn-abgewandten Seite öffentlich zugängliche Gärten. Jenseits von ihnen folgen – parallel zu den Reihen der Pavillons, aber mit vom Lawn abgewandten Eingängen – jeweils drei Bauten, die auf Jefferson zurückgehend als Hotels bezeichnet werden. Die Hotels dienten ursprünglich als mensaähnliche Gebäude und Wohnräume für die sie betreibenden Familien; heute sind in ihnen vor allem Räume von Universitätsverwaltung und Studentengruppen untergebracht. Verbunden sind die Hotels durch je eine Reihe arkadengesäumter Studentenzimmer (West Range und East Range), deren Zimmertüren sich direkt auf die Arkadengänge öffnen. Die Zimmer sind heute für Studenten mit abgeschlossenem Bachelor (graduate students) reserviert.
Die Südseite des Lawn gab nach Jeffersons Plänen in bewusster Symbolik ursprünglich den Blick auf die Welt jenseits der Universität frei. Auf niedrigerem Terrain wollte Jefferson dort unter anderem einen botanischen Garten anlegen. Im Mai 1826 suchte er noch mit einem Universitätsprofessor einen geeigneten Platz aus, doch nur zwei Monate später starb Jefferson, und der Garten wurde nie verwirklicht.[41] 1896 wurde am Südende des Lawn dann im Zuge des Wachstums der Universität das Gebäude Old Cabell Hall (Architekt Stanford White) gebaut, dessen Inneres unter anderem ein halbrundes Auditorium im Stil antiker Theater enthält. Das Äußere von Old Cabell Hall ist in Backstein gehalten und passt sich der Ästhetik von Jefferson an.
Bearbeiten Bezug der Gebäude aufeinander und Wirkungsgeschichte
Durch das akademische Dorf zieht sich auf mehrfache Weise eine sichtbare Hierarchie. Sie verläuft einerseits von den Rändern der Anlage – dem Range mit Studentenzimmern und Essgelegenheiten – über die Lawn-Seiten mit den Pavillons zur Rotunda, die als Bibliothek das Wissen und die Wissenschaft repräsentiert: So ist der Range fast durchgehend in schlichtem Backstein gehalten, einschließlich der gemauerten Arkaden und der niedrigen, fast schmucklosen Fassaden der Hotels. Die Seiten des Lawn sind hingegen durch ihre ursprünglich sandsteinfarbenen Kolonnaden und die repräsentativen Pavillonfassaden mit weißen Bauelementen gekennzeichnet. In der Mitte schließlich steht – ursprünglich mit einem Kupferdach – die erhöhte Rotunda, die durch Form und die Anlage ihres Säulenvorhofes (Portikus) einem antiken Tempel gleich die Blicke auf sich zieht.
Zugleich verläuft durch die Anlage eine zweite, noch stärker funktionell begründete Rangordnung, die insbesondere durch die in ihrer klassischen Hierarchie eingesetzten Säulenordnungen augenfällig wird: Zuunterst stehen hier die kleinen Einzelzellen der Studentenzimmer, die sich gleichförmig hinter ihren jeweiligen Arkaden bzw. toskanischen Kolonnaden erstrecken und zum Teil im schlichten Läuferverband gemauert sind. Größer, individuell entworfen und zum Teil mit Gärten versehen sind die im flämischen Verband gemauerten sechs Hotels, und zwei ihrer Fassaden zeigen dorische Säulen. Auf der nächsten Stufe stehen die noch größeren, untereinander gleichwertigen Pavillons, deren ebenfalls im flämischen Verband geziegelten Fassaden dorische, ionische und korinthische Säulen vorgestellt sind, die vor allem in der Nähe der Rotunda meist über zwei Stockwerke reichen (Kolossalordnung); weitere Bauelemente sind den Säulenordnungen entsprechendes klassisches Gebälk, Balustraden und andere weißgestrichene Elemente. Die Rotunda schließlich hat als Zeichen des umfassenden in ihr gesammelten Wissens außen korinthische Säulen, in ihren Innenräumen aber zusätzlich dorische und ionische und im als Bibliothek dienenden Kuppelsaal die hierarchisch höchststehenden kompositen Säulen.[42]
Doch trotz der durchgeplanten und scheinbar exakt symmetrischen Anlage des akademischen Dorfes lebt dessen Gesamteindruck von der Verbindung von durchkomponierter, klassischer Symmetrie und deren Durchbrechung; letztere geht zum Teil auf absichtliche Komposition, zum Teil auf die kleinen Unregelmäßigkeiten des Terrains zurück, auf dem das akademische Dorf errichtet wurde.[43] Doch neben ästhetischen verfolgte Jefferson stets auch pädagogische Ziele und versuchte bis in Detail der von ihm entworfene Anlage, den Universitätsunterricht zu unterstützen und eine ideale Lernatmosphäre zu schaffen.[44]
Die Anlage des Lawn mit der Rotunda hat für mehrere andere Universitäten Modell gestanden, unter anderem für die Entwürfe des Sweet Briar College (1902), der Johns Hopkins University (1902), der University of Minnesota (1910), der Rice University (1910), des Faye and Joe B. Wyatt Center for Education am Peabody College der Vanderbilt University (1915)[45] und des Killian Court am Massachusetts Institute of Technology (MIT) (1916).
Bearbeiten Die Rotunda
Am Kopfende des Lawn steht zentral die Rotunda (engl. für Rotunde), die als eines der herausragendsten architektonischen Werke der USA gilt[46] und das Wahrzeichen der Universität ist.
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Latrobes Vorschlag eines Rundbaus (für Jeffersons quadratischen Lawn-Entwurf)
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Grundrisse von Pantheon (links) und Rotunda (Mitte: Erdgeschoss vor Anbau des Nordportals, rechts: Kuppelraum)
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Bearbeiten Geplante Nutzung und Entwurf der Rotunda
Jeffersons ursprünglicher Entwurf für das akademische Dorf (sog. Albemarle Academy design) sah kein besonders gestaltetes Gebäude für den Scheitelpunkt der Umbauung des – damals noch quadratisch geplanten – Lawn vor.[47] Die beiden Architekten Latrobe und Thornton, die er um Vorschläge für die Universitätskonzeption bat,[48] empfahlen jedoch unabhängig voneinander ein zentrales Gebäude im Scheitelpunkt des hufeisenförmig umbauten Lawn. Thornton sah einfach einen um ein Stockwerk erhöhten Pavillon vor. Latrobe hingegen schlug in seinem Antwortbrief vom 24. Juli 1817, mit einer beigefügten Zeichnung, für das zentrale Gebäude einen Rundbau mit Giebel und sechs vorgestellten Säulen vor; er empfahl drei Stockwerke, dessen oberstes ein runder Kuppelsaal einnehmen sollte.[49] Jefferson nahm die Anregung auf und erhielt auch später noch Ratschläge und vermutlich sogar ganze Skizzen von Latrobe für die Rotunda, so dass er sie in seinen Unterlagen einmal sogar Latrobe’s Rotunda nannte.[50]
Als Vorbild für den Rundbau benutzte Jefferson das römische Pantheon. Er hatte den antiken Bau nie gesehen und stützte seine Kenntnisse vor allem auf Palladios Zeichnungen aus dessen Werk Quattro libri dell'architettura (dt.: Vier Bücher der Architektur; Kapitel 20: Del Pantheon hoggi detto la Ritonda)[51] in der Übersetzung von Giacomo Leoni; darin wird das Pantheon gemäß seinem Kirchennamen Santa Maria della Rotonda (ab 607 n. Chr.) auf englisch als Rotunda bezeichnet,[52] woraus sich vermutlich auch der Name von Jeffersons Bau ableitet.[53]
Wie beim Pantheon bildete die Grundlage für Jeffersons Rotunda nach dessen eigenen Worten „eine Kugel in einem Zylinder“ (a sphere within a cylinder).[54] An den Zylinder ist ein Säulenvorhof (Portikus) mit korinthischen Säulen angefügt, deren Kapitelle (obere Säulenabschlüsse) aus Carrara-Marmor Jefferson fertig behauen aus Italien bestellte, nachdem sich heimischer Schiefer als unbrauchbar herausgestellt hatte.[55] Das Dach der Rotunda beschreibt einen 120°-Kreisbogen, wobei der untere Teil des Daches – wie auch beim Pantheon – außen in sechs Stufen ansteigt, an die sich die Wölbung anschließt. Anders als der antike Tempel hat Jeffersons Bau allerdings einen Keller, der im breiten Podest des Gebäudes untergebracht ist; die gedachte „Kugel in einem Zylinder“ reicht bei der Rotunda dadurch unter die Erdoberfläche (siehe Jeffersons Entwurf 1817), was – gemeinsam mit dem Verzicht auf den Doppelgiebel des römischen Baus – optisch zu anderen Proportionen als beim Pantheon führt.[56] Dennoch wirkt Jeffersons Entwurf von außen schlanker als das Pantheon:[57] Im Gegensatz zur Rotunda reicht die dem römischen Tempel einbeschriebene, gedachte Kugel nicht bis zu den Außenmauern des Baus.
Daneben weicht Jeffersons Bau von seinem Vorbild durch das Baumaterial – in Virginia gebrannter roter Backstein mit weißen Elementen bei der Rotunda, mit Ziegeln ummauerter Beton beim Pantheon – und durch die großen, weiß eingefassten Fenster in der Außenwand ab. Ein weiterer Unterschied betrifft den verkleinerten Maßstab, da die Rotunda eine Höhe und einen Durchmesser von 77 Fuß (23,5 m) hat; Jefferson beschrieb den Durchmesser der Rotunda, oft zitiert, als halb so groß wie den des Pantheons und entsprechend ihre Fläche und ihr Volumen als ein Viertel bzw. Achtel des antiken Baus,[58] was angesichts des Pantheon-Durchmessers von 43,3 m allerdings nur näherungsweise zutrifft. Mit der Größe reduzierte Jefferson auch die Zahl der Säulen im Säulenvorhof – der Vorhof der Rotunda ist sechs Säulen breit und drei Säulen (drei Joche)[56] tief, wohingegen der Säulenvorhof des Pantheons acht Säulen breit und drei tief ist; zudem ist der antike Vorhof durch zwei Säulenpaare hinter der vorderen Säulenfront unterteilt, die die kurze Vorhalle ähnlich wie ein zentrales, zum Eingang führendes Längsschiff mit zwei Seitenschiffen gliedert. Die größten Abweichungen finden sich jedoch im Innern der Gebäude: Während das römische Pantheon einen einzigen Raum beherbergt, teilte Jefferson die Rotunda in drei Stockwerke – Keller, Erdgeschoss und Obergeschoss – und die beiden unteren Stockwerke in jeweils drei ovale Räume und einen ungefähr sanduhrförmigen Korridor.[59] Die Räume des Keller- und Erdgeschosses der Rotunda wurden ursprünglich für alle größeren Versammlungen genutzt, für die die Räumlichkeiten der Pavillons am Lawn zu klein waren – Seminare, religiöse Anbetung, öffentliche Prüfungen und andere Ereignisse fanden in ihr statt. Der große, von 20 Säulenpaaren und zwei Galerien gesäumte Kuppelraum im Obergeschoss diente als Bibliothek. Jefferson plante für ihn außerdem eine blaubemalte Decke mit beweglichen Sternen, die das erste Planetarium der USA ergeben hätte, doch die Pläne wurden nie realisiert.[60]
Nach Ost und West der Rotunda entwarf Jefferson jeweils sich einstöckig anschließende, schmale Flügel. Die überdachten, aber offenen Flügel brachte Jefferson auf einer Ebene mit dem Keller der Rotunda unter, so dass sie nach Süden (zum Lawn) teilweise unter dem Erdboden liegen (4 Fuß 2 Zoll, d. h. ca. 1,3 Meter). Das führt dazu, dass sie bei einem Blick von Süden aus größerer Entfernung fast vollständig von den drei flach ansteigenden Terrassen des Lawn verdeckt werden. Aufgrund des nach Norden abfallenden Geländes sind die Flügel auf dieser Seite hingegen ebenerdig gebaut. Hierfür entwarf Jefferson eine Arkade entlang der Flügel, die den Arkaden des Range ähnelt.[61] Die Räumlichkeiten in den Flügeln plante Jefferson als überdachte Sporträume. Der in ihrer Mitte verlaufende, öffentliche Gang ergänzt sich mit den Kolonnaden zwischen den Pavillons zu einem überdachten Weg rund um den Lawn, der nur auf der unbebauten Südseite aussetzt.[62]
Bearbeiten Baugeschichte und tatsächliche Nutzung der Rotunda
Der Bau der Rotunda begann am 7. Oktober 1822 und wurde nach knapp vierjähriger Bauzeit im September 1826 abgeschlossen. 1851–53 erhielt die Rotunda wegen des gestiegenen Raumbedarfs der Universität einen 150 Fuß (45,7 m) langen und 50 Fuß (15,2 m) breiten Anbau (Annex) nach Norden, in dem vor allem vier große Seminarräume untergebracht waren, deren einer bis zu 1.200 Personen fasste. Im 19. Jahrhundert erhielt außerdem das Dach der Rotunda zunächst für wenige Jahre und endgültig in den 1870er Jahren eine niedrige, breite Laterne, um undichte Stellen des früher an dieser Stelle eingepassten Fensters zu beheben.[63] Aus den gleichen Gründen wurde auch das Dach verändert – die sechs Stufenringe wurden entfernt und die Dachwölbung verstärkt.[64]
1895 zerstörte ein Brand die Rotunda und den Anbau bis auf die Ziegelmauern vollständig (siehe Geschichte). Anschließend wurde das Gebäude nach Plänen von Stanford White, in veränderter Form und ohne den Anbau, in einem monumentalen Beaux-Arts-Stil (einem eklektischen neoklassizistischen Stil) wieder aufgebaut.[65] Neben stilistischen Veränderungen im Innern der Rotunda verzichtete White auf ein Zwischengeschoss und vergrößerte dadurch den Kuppelraum. Außerdem ergänzte er im Norden, in dem zuvor der Anbau gestanden hatte, einen Säulenvorhof nach dem Vorbild des von Jefferson entworfenen südlichen Vorhofs; seither sehen Nord- und Südseite der Rotunda einander sehr ähnlich, allerdings ist der nördliche Vorhof mit nur einem Joch nicht so tief wie der südliche Säulenvorhof.
1898 wurde die Rotunda wiedereröffnet und erneut vor allem als Bibliothek genutzt, bis die angewachsene Sammlung 1938 in die neugebaute Alderman-Bibliothek verlegt wurde. In den Folgejahren wurde die Rotunda nur noch für untergeordnete Verwaltungsbüros und gelegentliche Bälle und Empfänge genutzt und verlor ihre zentrale Bedeutung für die Universität.[66]
Ab den 1950er Jahren trieben die damaligen Universitätspräsidenten und vor allem zwei Professoren, die die Geschichte des Baus studierten, eine Restauration der Rotunda mit Rückbau in den Ursprungszustand und eine Aufwertung des Gebäudes durch eine veränderte Nutzung voran. Nach langer Planungsphase erfolgte 1973 bis 1976 unter Leitung des Architekten Louis W. Ballou (vom Architektenbüro Ballou und Justice aus Richmond, Virginia) der Umbau in den Stil von Jefferson. Die seither bestehende Baufassung entspricht allerdings nicht völlig dem Ursprungszustand. Insbesondere konnte sich die ursprünglich von Jefferson entworfene Farbgebung mit dem Rotundadach in Kupfer genauso wenig wie eine Rückkehr zu den Farben des toskanischen Sandstein für die Säulen der Kolonnaden am Lawn gegen die seit 1895 übliche Ausführung mit weißem Dach und weißen Säulen durchsetzen.[36] Außerdem blieb das unter Stanford White gebaute Nordportal erhalten, und im Innern der Rotunda wurden verschiedene Anpassungen an moderne Bauwünsche von einer Klimaanlage bis zu einem behindertengerechten Aufzug vorgenommen.
Heute beherbergt die Rotunda Büros und Räume für festliche Anlässe. Der Kuppelraum wird vor allem als Veranstaltungssaal genutzt. Die Räume in den Arkadenflügeln dienen ebenfalls als Büros.
Bearbeiten Die Pavillons
Bearbeiten Geplante Nutzung und Entwürfe der Pavillons
Die zehn Pavillons des akademischen Dorfes plante Jefferson einerseits als Wohnhäuser der Professoren, andererseits als fakultätenähnliche Unterrichtsgebäude mit Seminarräumen der jeweiligen Professoren: Jeder Professor lehrte allein ein weites Themenspektrum, beispielsweise umfasste die Professur für physico-mathematics nach Jeffersons Vorstellungen Mechanik, Statik, Dynamik, Pneumatik, Akustik, Optik, Astronomie und Geographie;[67] die Unabhängigkeit der Professoren wurde auch dadurch unterstrichen, dass jeder Student – wie damals üblich – sich nicht in einem Fachbereich, sondern direkt bei einem oder mehreren Professoren einschrieb, denen er auch persönlich einen Teil der Studiengebühren zu zahlen hatte.[68] Aufgrund ihrer Bestimmung sollten die Pavillons damit neben der Bedeutung der Professoren auch die Wissenschaften repräsentieren, die in ihnen gelehrt wurden. Das erklärt – neben rein ästhetischen Gründen – mit die Bedeutung, die nach Jeffersons Entwürfen den Gebäuden auf dem Lawn zukommt.
Architektonisch erfordert diese Symbolik eine Ausgewogenheit der Architektur, die bei allem Variantenreichtum nicht einzelne Pavillons gegenüber anderen überlegen wirken lässt.[69] Zugleich beeinflusste sie die Zahl der zu errichtenden Pavillons: Jeffersons erste Entwürfe sahen neun Pavillons – drei an jeder Seite – um den damals noch quadratisch geplanten Lawn vor. Die Betonung des Gebäudes im Scheitelpunkt und die Anlage in zwei Reihen entlang der rechteckigen Rasenfläche erlaubte es jedoch, die Zahl der Pavillons auf zehn zu erhöhen – die Zahl der Wissenschaften, die Jefferson nach langen Überlegungen als die „in unserer Zeit nützlichen Wissenschaften“ (the sciences useful in our time) und als ein unabdingbares Minimum für eine Universität ansah.[70] Aufgrund von Finanzproblemen wurde die Zahl der Professoren in den ersten Universitätsjahren allerdings auf acht reduziert.[71]
Als Jefferson 1817 für die Universitätsanlage den Rat der Architekten Thornton and Latrobe einholte, schickte ihm Thornton Skizzen für zwei Pavillonfassaden, deren eine Jefferson für Pavillon VII benutzte und anpasste. Latrobe sandte Skizzen für wenigstens fünf Fassaden, wahrscheinlich sogar mindestens „sieben oder acht“, wie er in einem Brief ankündigte, eventuell gar einen kompletten Satz von zehn Entwürfen.[72] Jefferson wiederum schrieb an Latrobe, er werde zwei der Entwürfe für die nächsten zu errichtenden Pavillons nutzen,[73] außerdem notierte er Latrobes Namen in seinen Skizzen für die Pavillons VIII und IX.[74] Daneben werden aufgrund stilistischer Überlegungen Einflüsse von Latrobe auf die Pavillons III und V sowie möglicherweise auch auf Pavillon X angenommen.[75] Am weitesten geht wohl der Historiker Garry Wills, der angesichts der nicht erhaltenen Skizzen von Latrobe sogar spekuliert, ob alle Pavillons bis auf den von Thornton beeinflussten Pavillon VII auf – von Jefferson zum Beispiel durch unterschiedliches Gebälk angepasste – Entwürfe von Latrobe zurückgehen könnten; dazu würde auch passen, dass Jefferson 1819 die Entwürfe für die fünf östlichen Pavillons in nur drei Wochen anfertigte.[76]
Wer auch immer für die einzelnen Entwürfe verantwortlich ist, die Pavillons zeigen einen großen Formenreichtum, der aus einer Vielfalt der klassischen Bauelemente zusammengesetzt ist, oft nach den Vorbildern Roland Fréart de Chambray und Andrea Palladio. Die Vielseitigkeit der verwendeten Varianten wird neben der ästhetischen wiederum der pädagogischen Zielsetzung Jeffersons zugeschrieben – Architektur als Anschauungsmaterial für den Universitätsunterricht.[44]
Bearbeiten Symmetrie und Asymmetrie der Pavillons
Getreu dem Gesamtkonzept der Anlage sind die unterschiedlichen Bauformen mitnichten symmetrisch unter den Pavillons verteilt: Gegenüberliegende Fassaden unterscheiden sich zum Teil erheblich, was wohl am deutlichsten an den Pavillons IX und X zu sehen ist (siehe Weitwinkelaufnahme oben). Es fällt ebenso bei den verwendeten Säulenordnungen (Stil des oberen Säulenabschlusses, des sog. Kapitells) auf: Vier der Pavillons (I, IV, VII, X) haben Säulen mit dorischen Kapitellen, drei (II, V, IX) mit ionischen und zwei (III, VIII) – wie auch die Rotunda – in der korinthischen Ordnung; Pavillon VI schließlich benutzt gar keine zusätzlichen Säulen, sondern erhebt sich über der durchlaufenden (toskanischen) Kolonnade.[13] Auch die klassizistische Verwendung von Kolossalordnungen (Säulen oder Pfeiler über zwei oder mehr Stockwerke) an den rotundanahen Pavillons I, II, III, IV und V sowie am südlichen Pavillon X folgt nur teilweise einer symmetrischen Ordnung, und das gleiche gilt für die Wahl von Giebeln und Dachformen – I bis IV sowie VI und VII haben ein in einem Giebel endendes Satteldach, IX ein flaches Walmdach, X hat einen seinem Flachdach vorgesetzten Giebel, und V und XIII haben schlichte Flachdächer. Auch die Größe der Bauten variiert stark und reichte ursprünglich von ca. 10,7 m × 8,4 m (Pavillon VII) bis zu ca. 11,4 m × 13 m (Pavillon III);[77] im Zusammenhang damit wechselt auch die Zahl der den Fassaden vorgestellten Säulen zwischen vier und sechs. Sogar die Ausrichtung der Pavillons ist zum Teil nicht symmetrisch, so liegen die Eingangstüren der Pavillons I und IX etwas südlicher als die der ihnen gegenüberliegenden Pavillons II bzw. X.[78]
Andere Elemente unterstreichen jedoch den Eindruck prinzipieller Symmetrie und Regelmäßigkeit. Dazu gehören vor allem die Kolonnaden, mit denen die Pavillons auf jeder Seite des Lawn verbunden sind. Ihr Effekt wird noch durch die weißen Geländer der über ihnen liegenden begehbaren Verbindungswege unterstrichen, über die die Professoren von einem Pavillon zum anderen gelangen konnten, ohne auf den öffentlichen Lawn hinauszutreten. Dieser Eindruck hat sich allerdings gegenüber den ersten Jahren der Universität stark verändert, als die Bäume an den Seiten des Lawn noch nicht ausgewachsen waren.
Daneben setzte Jefferson sogar tatsächliche Unregelmäßigkeiten ein, um einen Eindruck von harmonischer Regelmäßigkeit zu erzielen: Ausgehend von der Rotunda verlängerte er schrittweise die Abstände zwischen Pavillons (siehe Plan des akademischen Dorfes). Während zwischen den ersten Pavillons nur vier Studentenzimmer Platz finden, sind es am anderen Ende des Lawn auf der Ostseite acht und auf der Westseite sogar zehn. Von der Rotunda aus gesehen spielt dieser Kunstgriff dem Phänomen entgegen, dass in der Ferne alles kleiner wahrgenommen wird – dadurch, dass Jefferson die Abmessungen in der Ferne größer gestaltete, wirkt das Südende näher (Größenkonstanz) und scheinen die Abstände zwischen den Pavillons gleichmäßig, eben weil sie es nicht sind. Von der Südseite des Lawn hingegen ergibt sich der Effekt, dass die kleineren Abstände nahe der Rotunda eine größere Entfernung vorspiegeln, so dass der Lawn länger wirkt, als er tatsächlich ist.[79] Allerdings verstellen heute die großen Bäume zu beiden Seiten des Lawn vor allem im Sommer den freien Blick auf die Pavillons über die ganze Länge der Anlage, wodurch der Effekt der unterschiedlichen Abmessungen weniger zum Tragen kommt.
Bearbeiten Baugeschichte und tatsächliche Nutzung der Pavillons
Mit Pavillon VII begann am 6. Oktober 1817 der Bau des ersten Gebäudes der Universität. Der Pavillon diente nach seiner Fertigstellung als Bibliothek, bis 1826 die Rotunda diese Aufgabe übernahm. Die übrigen Pavillons wurden nach und nach bis Oktober 1823 gebaut, allerdings zogen erst kurz vor Eröffnung der Universität 1825 die Professoren ein. Sie sollten nach Jeffersons Plänen, gegebenenfalls mit ihrer Familie, im Obergeschoss wohnen und in mehreren Räumen im Erdgeschoss unterrichten. Doch die meisten Pavillons verloren schon früh ihre Funktion als Unterrichtsgebäude, weil die Professoren und oft vor allem ihre Ehefrauen mehr Privatleben wie auch mehr Platz wünschten, woraufhin die Seminarräume Zug um Zug in die Rotunda und später in ihren Anbau ausgelagert wurden. Nur noch einer der ursprünglichen Seminarräume wird heute für diesen Zweck genutzt (Stand September 2002).[80] In den frühen Jahren nutzten die Professoren eine Zeit lang sogar einige der umliegenden, aufgrund der noch niedrigen Studentenzahlen nicht genutzten Studentenzimmer als Arbeitsräume.
Im Laufe der Jahre wurden nach und nach alle bis auf Pavillon III zu den Gärten hin vergrößert, wobei Pavillon III zugleich der einzige ist, der um ein weiteres, heute unabhängig vom Pavillon bewohntes Gebäude im Garten erweitert wurde. Trotz der Erweiterungen blieben jedoch die Fassaden der Pavillons zum Lawn über die Jahrzehnte fast unverändert. Heute dienen die Pavillons noch immer als Wohnhäuser für Professoren, meist für Dekane, da sie nach Senioritätsprinzip zugeteilt werden.[81] Nur Pavillon VII, der sogenannte Colonnade Club, wird seit Anfang des 20. Jahrhunderts von dem gleichnamigen Club genutzt, der die Beziehungen zwischen Professoren und ehemaligen Studenten fördert; aber selbst der Club enthält in einem Anbau Einzelzimmer für Übernachtungsgelegenheiten.
Auch die Studentenzimmer zwischen den Pavillons dienen heute noch ihrer ursprünglichen Bestimmung, allerdings leben dort heute ausgesuchte Studenten: Während die Zimmer anfangs an je zwei Studenten vergeben wurden, sofern nicht ein Student die doppelte Miete bezahlen wollte,[82] werden heute die einzeln bewohnten Zimmer in einem von Studenten organisierten Auswahlverfahren an Mitstudenten vergeben, die sich im letzten Studienjahr vor dem Bachelorabschluss befinden und sich unter anderem durch Führungseigenschaften oder soziales Engagement hervorgetan haben. Die Räume haben zwar kein individuelles Bad, Toiletten und Duschen sind in anderen Gebäuden untergebracht, und Kochherde (bis 2002/03 auch Mikrowellenherde) sind wegen des alten elektrischen Systems nicht erlaubt; dennoch sind die Zimmer aufgrund ihrer Lage und der Ehre, hier wohnen zu dürfen, außerordentlich beliebt.[83]
Bearbeiten Die Gärten
Jefferson entwarf auch die Grundform der sechzehn öffentlich zugänglichen Gärten des akademischen Dorfes: Hinter jedem der zehn Pavillons liegt ein Garten, der dem natürlichen Gelände folgend vom Lawn leicht abfällt; die sechs Pavillons, hinter denen ein Hotel liegt, teilten sich ihre Gärten ursprünglich mit den Hotels, weswegen diese Gärten in der Mitte baulich getrennt wurden. An den Seiten wurden die Gärten durch schmale, in Schlangenlinien verlaufende Ziegelmauern (serpentine walls) umfasst, die auch für die Trennmauern zwischen Pavillon- und Hotelgärten eingesetzt wurden. Die Mauern sind jeweils nur einen Ziegelstein breit, so dass die Windungen neben der Ästhetik auch der Standfestigkeit zugute kommen.[84] Die gewundenen Mauern hatte Jefferson wahrscheinlich 1786 in England kennengelernt; eine Variante von ihnen hatte er vermutlich außerdem bereits auf 1645 begründeten Green-Spring-Plantage (westlich von Jamestown, Virginia) des Gouverneurs von Virginia, Sir William Berkeley, gesehen.[85] Zwischen den seitlichen Ziegelmauern legte Jefferson Zugangswege (Alleen genannt) zu den Rückseiten der Pavillons und dem Lawn an.
Jefferson hinterließ keine Pläne für die Bepflanzung der Gärten, was an seinem Todesdatum (1826) oder auch an der Notwendigkeit der Benutzung der Gärten als Gebrauchsflächen gelegen haben kann. Nach Jeffersons Wünschen sollten in den Gärten zwar nur Toiletten untergebracht werden, aber bald wurden Holzschuppen, Waschhäuser, Hühnerställe, Räucher- und Fleischhäuser und Unterkünfte für Diener (erlaubt waren bis zu vier pro Haushalt) und Sklaven gebraucht. Dazu kamen Brunnen und Zisternen, Trockenplätze für Wäsche und vor allem der Anbau von Gemüse, Beeren und Obstbäumen.[86]
Nachdem in den folgenden Jahren Verfall und Umbauten bis hin zur Erstellung von je einer Straße quer durch die westlichen und östlichen Gärten[87] der ursprünglichen Anlage zugesetzt hatten, wurden 1948–52 die West-Lawn-Gärten und 1960–65 die East-Lawn-Gärten nach den ursprünglichen Entwürfen restauriert. Da Jefferson keine Vorgaben für die Bepflanzung gemacht hatte, legten die Landschaftsarchitekten Alden Hopkins (westliche Gärten) und Donald Parker (östliche Gärten) die Gärten neu an. Strittig ist, ob ihre englisch-französischen Entwürfe auf Jeffersons allgemeine Vorlieben Rücksicht nahmen oder nicht: Während Jefferson zum Teil ein Vorzug der englischen (jardins anglais) über die hochstilisierten französischen Gartenanlagen zugesagt wird,[86] halten andere Autoren für wahrscheinlicher, dass Jefferson einen eindeutig französischen Stil gewollt hätte.[88] Heute werden die Gärten weiterhin von den Pavillonbewohnern genutzt. Mindestens die Gartenteile, die weiter vom Lawn entfernt sind, stehen aber auch der Öffentlichkeit und damit vor allem den Studenten zur Verfügung.[86]
Bearbeiten Die Hotels
Bearbeiten Geplante Nutzung und Entwurf der Hotels
Als Hotels bezeichnete Jefferson die sechs Gebäude, von denen je eines an den vier Enden von East und West Range und je ein weiteres zwischen die Arkaden von East und West Range eingelassen sind. Jefferson hatte ursprünglich geplant, dass auch die Hotels zum Lawn und damit zu den Gärten und den Rückseiten der Pavillons ausgerichtet sein sollten. Dieser Entwurf brachte allerdings Probleme für die Anlage der Zufahrtsstraßen zum Lawn mit sich. Joseph C. Cabell schlug schließlich vor, die Hotels vom Lawn fort nach außen zeigen zu lassen, was Jefferson in seine Pläne aufnahm.[89]
Die Hotels waren als dezentralisierte Essräume (ähnlich Mensen) geplant und wurden an sechs Privatpersonen vermietet, die mit ihren Familien in den Hotels wohnten und dort täglich drei Mahlzeiten für die Studenten anboten. Sie möblierten aber beispielsweise auch die Zimmer der ihnen zugewiesenen Studenten, mussten ihnen „Diener“ (d. h. Sklaven) zur Zimmerreinigung zur Verfügung stellen und waren spätestens ab 1842 verpflichtet, den Studenten ein sauberes Handtuch pro Tag zu geben, so dass ihre Aufgaben deutlich über die eines Kochs hinausgingen.[90] Für die Studenten wurden die Hotels nicht nur Essräume, sondern dienten auch als Orte für Versammlungen und als verbindungsähnliche Clubs.
Gemäß ihrer Bestimmung sind die Hotels kleiner – nur Hotels C, E und F haben ein sichtbar ausgebautes Obergeschoss – und vor allem nicht so repräsentativ wie die Pavillons. Mit Säulen sind nur die zwei rotundanahen Hotels versehen: Hotel A hat einen kleinen dorischen Säulenvorhof, und die Eingangstür von Hotel B liegt hinter einem von zwei kleinen dorischen Säulen getragenen Portal; beide Häuserfronten sind zudem nach Norden, auf die Zugangswege zur Rotunda ausgerichtet. Nach Osten und Westen hingegen liegen alle Hotels hinter den durchlaufenden Backsteinarkaden des Range, die vor den Hotels nur etwas vorgezogen sind, um einen größeren überdachten Vorraum zu gewinnen und im Fall von Hotel D etwas vergrößert sind. Damit fügen sich die B
